Projekt A1 (Fanselow, Vicente)

Der syntaktische Ausdruck der Informationsstruktur und die Architektur der Grammatik

Beschreibung

Das übergreifende Ziel von A1 für die dritte Phase des SFB 632 besteht in der Ausformulierung eines Modells für die Interaktion von Syntax i.e.S. und Informationsstruktur. Ein Großteil der aktuellen Forschung zu diesem Thema setzt die Grundannahmen des sog. kartographischen Ansatzes (Rizzi 1997 et seq.) voraus, demzufolge informationsstrukturelle Begriffe wie Topik und Fokus direkt in der Syntax i.e.S. repräsentiert sind, und zwar als formale Merkmale, die funktionale Projekten aufbauen. Der kartographische Ansatz impliziert, dass die Effekte der Informationsstruktur auf die Syntax kategorialer Natur sind (d.h., ein Faktor F führt stets zur Struktur S). Die verfügbare Evidenz (z.B. Keller & Alexopoulou 2001) deutet aber darauf hin, dass die informationsstrukturellen Effekte auf die Syntax optional/gradient sind (Faktor F führt zur Struktur S nur in einem bestimmten Prozentsatz der Fälle). In unserer Erklärung der Datenlage folgen wir dem Modell von Fanselow & Lenertová (2010), in dem die syntaktischen Operationen ausschließlich von morphosyntaktischen Merkmalen ausgelöst werden, und daher auch nicht von informationsstrukturellen Faktoren beeinflußt sind. Wir bezeichnen dies als die Strong Modularity Hypothesis (SMH).

Dieser Ansatz führt zur Frage, wie dann die Einflüsse der Informationsstruktur auf syntaktische Strukturen (z.B. Topik und Fokusbewegung) zu behandeln sind. In einem Teil unserer Projektarbeit werden wir ein optimalitätstheoretisches Modell entwickeln, in dem der Output der Kernsyntax (eine Menge von Strukturkandidaten) in eine Evaluationskomponente eingespeist wird. Unter anderem enthält diese Komponente eine Menge von Beschränkungen, die syntaktische Konfigurationen und informationsstrukturelle Faktoren aufeinander beziehen und mit Hilfe derer wir den Grad der Markiertheit spezifischer Strukturen relativ zu spezifischen Kontexten bestimmen wollen. Der Einfluß der Informationsstruktur auf die Syntax ergibt sich also daraus, dass diese Beschränkungen einigen Strukturen einen höheren Rang zuweisen (sie sind weniger markiert) als anderen. Zusätzlich wollen wir gewichtete OT-Contraints untersuchen um die Gradienz und Optionalität des syntaktischen Ausdrucks der Informationsstruktur zu erfassen.

Zur Schaffung einer Grundlage für die theoretische Arbeit planen wir eine Serie empirischer Studien (Akzeptabilitätsbewertungen und Produktionsaufgaben) die eine präzise Bestimmung der Stärke der verschiedenen relevanten pragmatischen Faktoren ermöglichen. Da das Ziel von Projekt A1 ist, die Adäquatheit der SMH in Sprachen mit prosodischen und morphologischen Systemen zu prüfen, die verschiedenen sind von denen, die wir in der zweiten Phase des SFB 632 untersucht haben, werden diese Experimente auch in unterschiedlichen Sprachen durchgeführt.

Vollständige Beschreibung 3. Förderperiode SFB 632 / A1 (Auszug aus dem Antrag)  pdficon small

 


publish Beschreibung   user Mitarbeiter   document-library Publikationen   communication Aktivitäten   archives 1. Förderperiode   archives 2. Förderperiode