Projekt A2 (Krifka, Repp)

Informationsstruktur in nicht-assertiven Sprechakten

Beschreibung

IS-Phänomene sind in assertiven Sprechakten intensiv und mit einigem Erfolg unter­sucht worden. Für nicht-assertive Sprechakte gibt es weitaus weniger Untersuchungen und kaum kano­nisierte Analysen. Es gibt eher programmatische Ansätze (z.B. Jacob 1984), die für alle Illokutions­operatoren annehmen, dass sie mit Fokus assoziieren, aber bis auf Interrogative wurde diese Hypothese noch nicht substantiiert. Die meisten neueren Analysen von IS-Phänomenen bauen auf dem wahrheitskonditionalen Charakter von Assertiven auf (z.B. Rooths Alternativensemantik, Schwarz­schilds Gegebenheitsansatz). Das gilt auch für das pragmatische Konzept des Common Ground Manage­ment von Krifka, das auf Mengen von propositionalen Objekten operiert. Für Interrogative sowie für die Satztypen Imperativ und Exklamativ ist die Rückführung der Bedeutung auf (Mengen von) Proposi­tionen etabliert, jedoch ist zumindest bei letzteren beiden unklar, ob diese Reduktion die Eigenschaften von IS-Kategorien in den assoziierten Sprechakttypen erklären kann, oder ob hier eine Inter­aktion auf oder mit der illokutionären Ebene anzunehmen ist.

Für Interrogative haben insbesondere die Arbeiten im Rahmen der Alterna­tivensemantik gezeigt, dass die Fokusbedeutung in spezifischer Weise mit dem Frage­operator, d.h. dem seman­tischen Korrelat zum sprechaktlichen Frageoperator, interagiert. Im syntaktischen Bereich ist die Rolle der Fokusbewegung in Konstituentenfragen als entscheidend erachtet worden, um einerseits bestimmte Superioritätsmuster und andererseits die Koordinierbarkeit von Fragewörtern zu erklären. In Bezug auf Imperative gibt es sporadische Beobachtungen zur Rolle der IS, aber keine systema­tischen Untersuchungen. Für andere Sprechakttypen, z.B. Exklamative, sind typische Betonungsmuster beobachtet worden, deren Relevanz für die IS jedoch unklar ist.

Das anvisierte Projekt widmet sich IS-Phänomenen in nicht-assertiven Sprechakten und deren theoretischer Durchdringung. Es sind zwei Schwerpunktbereiche geplant. Im ersten werden alle bisher nicht systematisch untersuchten Haupttypen von Sprechakten untersucht, mit besonderem Augenmerk auf Gemeinsamkeiten und deren sprechaktübergreifender Analyse vor allem bezüglich einer Inter­aktion auf oder mit der illokutionären Ebene. Den zweiten Schwerpunkt bildet eine detaillierte Analyse von Interrogativen und Exklamativen – zwei Sprechakttypen, deren assoziierte Satztypen große Ähnlichkeiten aufweisen – im Hinblick auf die spezifi­sche Grammatik von IS-Kategorien. Hier wird auf die Besonderheiten der beiden Sprechakte eingegangen, um herausarbeiten zu können, an welchen Stellen sich die IS signifikant unterscheidet. Die empirische Grundlage wird schwerpunktübergreifend durch Literaturrecherche, systematische Informanten­befragung und experimentelle Erhebungen erar­beitet.

Vollständige Beschreibung 3. Förderperiode SFB632 / A2 (Auszug aus dem Antrag)  pdficon small



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