Projekt A8 (Egg)

Strukturierung sprachlicher Information durch Diskurspartikeln

Beschreibung

Das Teilprojekt soll mit seinem Schwerpunkt auf Diskurspartikeln (DiPn) zum übergreifenden Ziel des SFB 632 bei­tragen, sprachliche Mittel zur Kodierung von Informationsstruktur (IS) umfassend zu erforschen, indem es den Be­reich der im SFB untersuchten Phänomene in drei Richtungen erweitert. (1) Die Arbeiten im SFB zu strukturellen IS-Markierungen wie Akzent und Wortstellung werden dadurch ergänzt, daß mit den DiPn im SFB bisher nur wenig be­trachtete lexikalische Mittel zum Ausdruck von IS untersucht werden, in einem zweiten Schritt auch die Interaktion le­xikalischer und struktureller IS-Ausdrucksmittel. (2) DiPn sind explizite Mittel zur Verwaltung von Redehintergründen, einer wesentlichen Aufgabe IS-relevanter Ausdrucksmittel, die so stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit rückt. (3) Wir betrachten informationsstrukurelle Phänomene oberhalb der Satzebene, die im SFB bisher – außer im schon be­en­deten Projekt A3 – wenig thematisiert wurden. Die Aktivitäten des Teilprojekts verfolgen somit die Aspek­te Kon­tinuität und Komplementierung, die in Abschnitt 1.2.2.2 als Schwerpunkte der letzten Förderphase genannt werden.

DiPn (auch als Modal- oder Abtönungspartikel bezeichnet) sind ein wichtiges Mittel zur Modifizie­rung und Verwaltung des gemeinsamen Redehintergrunds, weil sie Zusammenhänge zwischen Äußerungen und Glaubens­zuständen oder Redehintergründen in einem Diskurs (individuelle Hintergründe der Gesprächsteil­nehmer und gemein­samer Rede­hintergrund) aufzeigen und herstellen. Als lexikalische Ausdrucksmittel von Ge­ge­benheit von Propositionen in sol­chen Hintergründen sind sie grammatische Reflexe von IS, d.h., sie markieren den informationsstrukturellen Status sprachlicher Konstituenten und interagieren dabei mit strukturellen IS-Markie­rungen. Viele DiPn haben auch auf der Textebene eine informationsstrukturelle Rolle, da sie (als spezielle Art von Anaphern) wie andere Kohäsionsmittel zur Organisation von Texten eingesetzt werden und dabei mit der Diskursstruktur interagieren.

Das geplante Teilprojekt gliedert sich in drei Bereiche: Ziel des ersten Arbeitsbereichs ist eine umfassende Analyse der (deutschen) DiPn in ihrer Funktion als IS-Mar­kie­rer. Hier sind auch Recherchen in geeigneten Korpora des Deutschen vorgesehen. Diese Analyse erweitert einerseits die Faktenbasis für Untersuchungen zur IS und nutzt da­bei auch die umfangreiche, stärker deskriptiv orientierte Literatur zu DiPn für die Forschung des SFB. Die Analyse wird andererseits aber viel von informationsstrukturellen Konzepten und Kategorien profitieren, weil sich mit ihnen die DiPn – trotz der Vielfalt ihrer Verwendungen – strukturiert und einheitlich beschreiben lassen. Auf Basis dieser Ana­lyse wird dann die Semantikkonstruktion für DiPn beschrieben. In diesem Bereich liegt der Fokus auf der Satzebene.

Im zweiten Arbeitsbereich werden Diskurspartikeln aus der Perspektive der Interaktion mit strukturellen IS-Mitteln untersucht. Dies betrifft v.a. die Frage nach dem Verhältnis betonter und unbetonter Varianten von DiPn und ihren syntaktischen und semantischen Unterschieden, die als Resultat dieser Interaktion erfaßt werden sollen.

Der dritte Arbeitsbereich thematisiert den Beitrag von DiPn zur textuellen Organisation und ihre Interaktion mit der Diskursstruktur. Dies soll anhand des Potsdam Commentary Corpus annotiert und evaluiert werden; die im PCC er­faßten Texte sind Kommentare. Wir erwarten, daß in Kommentaren, die persuasive und deskriptive An­teile haben, DiPn (wie andere kohäsive Mittel) in persuasiven Textteilen weniger parallel zur Diskursstruktur laufen, wogegen sie in darstellenden Textteilen sehr stark mit der Diskursstruktur aligniert sind. Grund dafür ist, daß die Diskursstruktur in persuasiven Textteilen sehr stark hervortritt, in darstellenden Textteilen aber nicht.

Vollständige Beschreibung 3. Förderperiode SFB632 / A8 (Auszug aus dem Antrag)  pdficon small

 


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