Projekt C3 (Höhle, Adani)

Erwerb sprachlicher Mittel der Markierung von Informationsstruktur im Erstspracherwerb: Prosodische, syntaktische und lexikalische Aspekte

Beschreibung

Die Forschung in C3 konzentriert sich auf die Entwicklung der Produktion und Rezeption von sprachlichen Markierungen von Informationsstruktur (IS) im Erstspracherwerb. Wir möchten klären, in welchem Alter und durch welche Mechanismen Kinder prosodische, lexikalische und syntaktische Mittel zur Kodierung von IS in ihrer Zielsprache erwerben. Die Kontinuitätsannahme im Spracherwerb zugrunde legend, nehmen wir an, dass die Kinder die sprachlichen Fähigkeiten besitzen, um IS-relatierte Strukturen korrekt zu interpretieren, doch deren Nutzung stärker als bei Erwachsenen davon abhängt, wie leicht sich eine Proposition in den aktuellen Diskurskontext integrieren lässt. Unsere Arbeit im SFB hat diese Annahmen in mehrfacher Hinsicht unterstützt. Wir haben gezeigt, dass Kinder in den ersten vier Lebensjahren prosodische Salienz und Wortfolge verwenden, um die Informationsstruktur in ihren Äußerungen zu markieren. Darüber hinaus haben wir gezeigt, dass Kinder die Präsupposition, die durch die Fokuspartikel auch ausgelöst wird, bei der Satzinterpretation berücksichtigen, jedoch kann diese Fähigkeit nur in Aufgaben mit sehr spezifischen Anforderungen nachgewiesen werden (Berger, Müller, Schmitz, & Weissenborn, 2009). Darüber hinaus haben wir Hinweise darauf, dass das Verständnis der Sätze mit Fokuspartikeln und mit nicht-kanonischer Wortstellung gesteigert werden kann, wenn die Sätze innerhalb eines angemessenen sprachlichen oder situativen Kontexts präsentiert werden. (A. Müller 2010; Kühn, Hörnig & Höhle, 2010).

In der nächsten Förderperiode des SFB werden wir unsere bisherige Forschung weiter verfolgen und ausbauen. Zunächst werden wir unsere cross-linguistischen Forschung zur Entwicklung der prosodischen und syntaktischen Mittel der Fokusmarkierungen auf einen Vergleich des Spracherwerbs bei englischen, französischen und deutschen Kindern ausdehnen. Diese Sprachen zeigen prosodisch und syntaktisch systematische Unterschiede bezüglich der Markierung von Fokus. Zweitens werden wir mittels Eye-Tracking im Visual World Paradigm untersuchen, wie Kinder kanonische und nicht-kanonische Sätze in verschiedenen Kontexten verarbeiten. Drittens werden wir die Hypothese genauer überprüfen, dass die bei Kindern häufig zu beobachtenden Probleme bei der Interpretation von Sätzen mit Fokuspartikeln stark abhängig von den spezifischen Anforderungen der Aufgabe sind, die zur Prüfung der Kinder Verständnis eingesetzt wird. In einem weiteren Teil des Projekts werden wir unsere bisherigen Erkenntnisse zum Erwerb von IS im typischen Spracherwerb bei Kindern mit Entwicklungsstörungen überprüfen. Wir untersuchen die Produktion und das Verstehen von Sätzen mit Fokuspartikeln und mit nicht-kanonischer Wortstellung bei Kindern mit Spezifischer Sprachentwicklungsstörung und Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störungen. Unser generelles Ziel hierbei ist es, zu bestimmen, ob und wie die Grammatik (d.h. das Computationale System) auf der einen Seite und die pragmatische Komponente auf der anderen Seite selektiv in den sich (a)typisch entwickelnden Sprach-Systemen betroffen sein kann. Sollten sich die Leistungen von Kindern mit Entwicklungsstörungen deutlich von denen unauffälliger Kinder unterscheiden, werden unsere Ergebnisse als Ausgangspunkt für die Entwicklung sprachtherapeutischer Förderungsmaßnahmen dienen.

 


publish Beschreibung   user Mitarbeiter   document-library Publikationen   communication Aktivitäten   archives 1. Förderperiode   archives 2. Förderperiode