Projekt D5 (Kügler)

Tonale Struktur und Informationsstruktur: Phonetik & Phonologie

Beschreibung

Das Hauptziel des Projektes besteht weiterhin in der Analyse der Interaktion von Informationsstruktur (IS) und tonaler Struktur und ihrer phonetischen Realisierung. In der ersten Projektphase haben wir den Einfluss von IS auf die prosodische Realisierung als einen Effekt des Pitchregisters analysiert. Der Sprachvergleich zwischen Deutsch und Akan hat gezeigt, dass dieser Effekt sowohl in Tonsprachen als auch in Intonationssprachen auftritt, und dass die prosodische Realisierung von Fokus in einer Anhebung (Deutsch) oder einer Absenkung (Akan) des Registers bestehen kann. Darauf aufbauend soll in der zweiten Phase die phonologische Analyse von Pitchregister als eigenständige autosegmentale Ebene vorangetrieben, eine mögliche Interaktion der IS mit Downstep und Phrasierung experimentell untersucht, und der Einfluss der IS in das Modell zum Pitchregister integriert werden. Das Ziel ist, die sprachspezifischen prosodischen Reflexe der IS offen zu legen und entsprechend des phonologischen Systems der jeweiligen Sprache zu analysieren. Die phonetischen Parameter F0 und Dauer bilden dabei die Datengrundlage der Messungen. Dauer wird als Indikator von Phrasengrenzen und auch als Korrelat der Prominenz weiter von Bedeutung sein. Der Sprachvergleich umfasst Tonsprachen (Akan/Levelton, Mandarin-Chinesisch/Konturton), sowie eine Intonations- (Deutsch) und eine Pitchakzentsprache (Schwedisch).

In der ersten Projektphase entstanden auch Fragen zur Kategorialität informationsstruktureller Einheiten. Das Deutsche grenzt Informationsfokus und Kontrast (= Korrekturfokus) prosodisch nur graduell, nicht aber kategoriell voneinander ab, wobei es diskursneue Information (= Ganzsatzfokus) und Fokus insgesamt kategoriell voneinander unterscheidet. Das Akan zeigt keinen prosodischen Unterschied zwischen diskursneuer Information und Informationsfokus, allein Korrekturfokus wird prosodisch markiert. Für das Chinesische liegen Hinweise vor, dass Kontrast der Assertion und Kontrast der Präsupposition einen prosodischen Unterschied zeigen. Diese Ergebnisse lassen erahnen, dass es nicht Korrekturfokus per se ist, der einen bestimmten prosodischen Reflex hervorruft, sondern, dass es wichtig ist, welche Information korrigiert wird. Dies wirft die Frage auf, ob Kontrast sprachübergreifend eine eigene informationsstrukturelle Kategorie ist, oder ob womöglich andere Aspekte, wie z.B. Erwartbarkeit entscheidend sind. Um diese Hypothese zu testen, sollen sprachvergleichend Experimente zu unterschiedlichen Korrekturfoki durchgeführt und einer theoretischen Analyse unterzogen werden.

Als Service wird das Projekt weiterhin phonetische und prosodische Expertise für die SFB-Projekte anbieten, die den prosodischen Ausdruck der IS in experimentellen Studien testen werden.

Vollständige Beschreibung 3. Förderperiode SFB632 / D5 (Auszug aus dem Antrag) pdficon small

 


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