Projekt T1 (Wiese)

Aus- und Fortbildungsmodule zur Sprachvariation im urbanen Raum: Dialekte, Mehrsprachigkeit und die Frage nach dem „richtigen Deutsch“

Beschreibung

Das Projekt soll dem Transfer von Forschungsergebnissen aus dem Bereich „Sprachvariation im urbanen Raum“ in den Bildungssektor dienen. Übergeordnetes Ziel ist die Entwicklung multimedialer Materialien für neue Ergänzungsmodule in der Aus- und Fortbildung von Lehrer/inne/n im Primar- und Sekundarbereich und Erzieher/inne/n im frühkindlichen Bildungsbereich staatlicher Einrichtungen der Kindertagesbetreuung.

Das Projekt baut insbesondere auf den Ergebnissen aus Teilprojekt B6, „Grammatische Reduktion und informationsstrukturelle Präferenzen in einer kontaktsprachlichen Varietät des Deutschen: Kiezdeutsch“ (Wiese), auf. Daneben werden Forschungsergebnisse zu Sprachvariation im Bereich von Grammatik und Informationsstruktur der anderen Teilprojekte des SFBs einbezogen. Dies betrifft weitere Ergebnisse zu Variationen in der linken und rechten Satzperipherie (A1, A6, B4, B6, B8, C7) ebenso wie Ergebnisse zu Nicht-Standardvarietäten des Deutschen (einschließlich solchen aus mehrsprachigen Kontexten, vgl. B9).

In B6 wurde und wird die Interaktion grammatischer und informationsstruktureller Phänomene im Sprachgebrauch Jugendlicher aus multiethnischen Wohngebieten, dem sogenannten „Kiezdeutsch“, untersucht. Ein wesentlicher Befund ist dabei, dass Kiezdeutsch eine eigene Varietät mit systematischen Innovationen auf grammatischer und informationsstruktureller Ebene darstellt. Diese Auffassung von Kiezdeutsch widerspricht der im nicht-sprachwissenschaftlichen Bereich dominierenden Sichtweise. Der Sprachgebrauch Jugendlicher aus multiethnischen Wohngebieten wird hier vorherrschend als „schlechtes Deutsch“ und als Hinweis auf mangelnde Sprachkompetenzen interpretiert.

Diese Einstellungen finden sich auch im schulischen Bereich; sie verstärken hier eine negative Wahrnehmung der sprachlichen, aber auch generell kognitiven und sozialen Kompetenzen der betreffenden Jugendlichen und fügen sich ein in negative Wahrnehmungen von Sprecher/inne/n von Nichtstandard-Varietäten (auch herkömmlicher Dialekte) – insbesondere solcher mit niedrigem Sozialprestige –, wie sie aus perzeptueller Dialektologie und soziolinguistischen Attitude Studies bekannt sind. Negativ beeinflusste Wahrnehmungen und Fehleinschätzungen in diesem Bereich können damit zu einem weiteren Handicap für den Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen aus benachteiligten sozialen Schichten führen.

Das beantragte Projekt wird sich vor diesem Hintergrund als Zielgruppe des Transfers sozialen Akteuren aus dem Bildungssektor widmen, die Schlüsselfunktionen für Bildungsbiographien von Kindern und Jugendlichen einnehmen und darüber hinaus als deutungsmächtige Akteure und Multiplikatoren für Sachargumente fungieren, nämlich Lehrer/inne/n und Erzieher/inne/n.

Im Projekt werden multimediale Materialien zur fachbezogenen Qualifizierung entwickelt, die in Aus- und Fortbildungsmodule implementiert werden. Unterstützend zu den Unterlagen für Lehrer/innen werden auch Unterrichtsmaterialien zur Anwendung in Schulprojekten entwickelt. Die inhaltliche Passung der Materialien, ihre Erprobung in der Praxis, ihre Evaluation und schließlich ihre langfristige und nachhaltige Implementierung wird durch die kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern aus Senatsverwaltung und WIB ermöglicht sowie durch eine anwendungsbezogene Zusammenarbeit mit dem schulischen Praxispartner, der Hector-Peterson-Sekundarschule in Berlin-Kreuzberg, mit der es bereits mehrere erfolgreiche Kooperationen zu Jugendsprache in multiethnischen Wohngebieten gab, inbesondere auch im Rahmen des SFB-Projekts B6.

Vollständige Beschreibung 3. Förderperiode SFB 632 / T1 (Auszug aus dem Antrag) pdficon small

 


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